Veröffentlicht am 7. März 2025 | 10 Min. Lesezeit
Das Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry erzählt von einem Mann, der in der Wüste einem kleinen Prinzen von einem anderen Planeten begegnet. Es ist eine schöne Geschichte, die uns lehrt, die kleinen Dinge im Leben nicht zu vergessen. Zugleich lassen sich aus dem Buch wertvolle Lektionen über Leadership ziehen - darüber, was man vermeiden und was man annehmen sollte.

Sechs Lektionen über fehlende Führung
Auf seiner Reise trifft der kleine Prinz mehrere Figuren, die jeweils unterschiedliche Formen gescheiterter Führung darstellen:
1. Der König
"Komm näher, damit ich dich besser sehen kann", sagte der König, der außerordentlich stolz war, endlich über jemanden König zu sein.
Der König sieht sich als absoluter Monarch, der keinen Ungehorsam duldet. Er ist stolz darauf, über andere zu herrschen. Ähnlich streben manche Menschen Führungspositionen einfach deshalb an, weil sie Autorität lieben. Ihre wichtigste Motivation ist die Macht, Befehle zu geben und zu sehen, wie andere ihnen gehorchen.
Menschen wie der König erklären ihre Handlungen selten; wenn man fragt warum, bilden sie einen nicht weiter. Sie sagen nur: "Wir machen das, weil ich es so sage." Solche Führungspersonen fragen nicht "Warum?", um zu lernen, sondern um die Autorität ihrer Vorgesetzten zu untergraben und selbst Macht zu übernehmen.
2. Der Eitle
"Ah! Ah! Da kommt ein Bewunderer zu Besuch!", rief er schon von weitem, als er den kleinen Prinzen kommen sah.
Dieser Mann sehnt sich nach Komplimenten und sucht aktiv danach. Solche Führungspersonen handeln nicht, weil etwas richtig oder gut ist, sondern weil sie gelobt werden wollen. Sie werden vor allem durch Sätze motiviert wie: "Wow, das war gut", "Großartig", "Du bist ein großer Mann". Ihre Führung hängt vollständig davon ab, wie andere sie wahrnehmen.
Ein gutes Kompliment kann einem Menschen Kraft geben und bestätigen, dass er in die richtige Richtung geht. Aber es darf nicht der Hauptgrund für unser Handeln sein. Wie es im Buch heißt: "Eitle Menschen hören immer nur Lob."
3. Der Säufer
Dieser Mann trinkt, weil er sich für sein Trinken schämt. Er braucht Alkohol, um seine Scham zu vergessen. Er steht für Menschen, die in Kreisläufen aus Scheitern und Vermeidung gefangen sind.
Ähnlich halten manche Führungspersonen an wirkungslosen Praktiken fest und wehren sich gegen Neuerungen, weil sie Angst vor dem Scheitern und der damit verbundenen Scham haben. Sie verstecken sich hinter ihrer Autoritätsposition und sind zu beschämt, ihre Fehler einzugestehen.
4. Der Geschäftsmann
Dieser Mann zählt Sterne, weil sie ihm gehören.
"Und was nützt es dir, die Sterne zu besitzen?"
"Es nützt mir, reich zu sein."
Er bezieht seine Bedeutung daraus, die Sterne zu besitzen. Diese Art Mensch sucht Führung nur um des Besitzes und der Kontrolle willen. Zufriedenheit findet sie nicht darin, Wert zu schaffen, sondern Wert anzuhäufen. Ihre Priorität ist es, immer mehr zu erwerben; Besitz wird zum Selbstzweck statt zu einem Mittel, um etwas Sinnvolles zu erreichen.
5. Der Laternenanzünder
Der kleine Prinz findet es amüsant, dass der Laternenanzünder auf einem so kleinen Planeten unaufhörlich arbeitet: Kaum hat er die Laterne angezündet, muss er sie wieder löschen, weil der Tag so schnell kommt; dann muss er sie sofort wieder anzünden, sobald die Nacht erneut hereinbricht.
Der Laternenanzünder steht für Menschen, die Routinen befolgen, ohne ihren Zweck zu verstehen. Sie halten nie inne, um ihr Handeln zu hinterfragen, sondern erledigen Aufgaben aus Tradition oder Gehorsam gegenüber Anweisungen. Dadurch halten sie Prozesse am Leben, die ihren Sinn oder ihre Wirksamkeit längst verloren haben können.
6. Der Geograph
Dieser Mann besitzt umfangreiches theoretisches Wissen über sein Gebiet. Er kann jeden Fluss und jeden Berg benennen, hat aber keinen dieser Orte selbst besucht.
Der Geograph steht für Menschen, die Wissen ansammeln, ohne praktische Erfahrung zu gewinnen. Sie sind stolz auf ihre theoretische Expertise, wenden ihr Wissen aber nie an. Sie fühlen sich in ihrem intellektuellen Status wohl, doch ihnen fehlt der Mut, die Theorie zu verlassen und in die Praxis zu gehen.
Fünf kleine Lektionen für Leadership
Die Begegnungen des kleinen Prinzen auf der Erde geben wertvolle Einsichten für Führung:
1. Sei nicht naiv (Die Schlange)
Als die Schlange in Rätseln über ihre tödliche Macht sprach, verstand der kleine Prinz die Gefahr sofort. Während er Mühe hatte, den König, den Eitlen, den Säufer, den Geschäftsmann, den Laternenanzünder und den Geographen zu verstehen, erkannte er böswillige Absicht sofort.
Das lehrt uns, wachsam zu bleiben, ohne Freundlichkeit und Einfachheit zu verlieren. Gute Führung verbindet Optimismus mit einem realistischen Bewusstsein für mögliche Gefahren.
2. Suche mehrere Quellen (Die Blume)
Er suchte die Menschen und fragte die Blume, wo er sie finden könne. Sie sagte, es gebe wohl nur sechs oder sieben Menschen auf der Erde, weil sie nur wenige gesehen hatte.
Die Blume erwies sich als unzuverlässige Informationsquelle. Wie oft machen wir den Fehler, uns auf die erste Quelle zu verlassen, die uns begegnet? Wenn wir unbekannte Themen erforschen, sollten wir mehrere Perspektiven suchen, statt uns mit der ersten Information zufriedenzugeben.
3. Höre auf andere (Der Berg)
Auf dem Berg rief der kleine Prinz und hörte nur das Echo seiner eigenen Stimme zurückkommen.
Das zeigt sehr gut, wie viele Führungspersonen ihre Wirksamkeit verlieren, wenn sie den Gipfel des Erfolgs erreichen. Umgeben von ihren eigenen Leistungen beginnen sie, nur noch sich selbst zu hören, und werden taub für Rat, Feedback und neue Ideen anderer Menschen.
4. Erwartungen steuern (Der Rosengarten)
Bevor er seinen Planeten verließ, glaubte der kleine Prinz seiner Rose, als sie behauptete, sie sei einzigartig im Universum. Später entdeckte er einen ganzen Garten voller gleicher Rosen.
Das lehrt Führungspersonen, Erwartungen weise zu steuern. Enttäuschung ist unvermeidlich, wenn wir unrealistische Ideale über andere oder über uns selbst haben. Wirksame Führung braucht eine Balance zwischen Optimismus und realistischen Erwartungen.
5. Verbindungen aufbauen (Der Fuchs)
Der Fuchs lehrt den kleinen Prinzen, wie wichtig es ist, sinnvolle Verbindungen mit anderen Menschen zu bilden.
Wirksame Führung ist niemals einsam. Führungspersonen sind da, um Menschen bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen, und das erfordert echte Beziehungen. Ohne diese Verbindungen riskieren wir, dieselben Fehler zu machen wie der König, der Eitle, der Geschäftsmann, der Säufer, der Laternenanzünder und der Geograph. Bemerkenswert ist, dass jede dieser fehlerhaften Figuren isoliert auf ihrem eigenen Planeten lebte.
Der Weg nach vorn ist klar: wachsam bleiben, ständig beobachten und lernen, Vergebung üben und vor allem die Verbindungen pflegen, die unserer Führung Bedeutung geben.
Abschließende Gedanken
Saint-Exupérys zeitlose Erzählung zeigt, dass authentische Führung wenig mit Macht, Besitz oder Prestige zu tun hat. Im Zentrum stehen vielmehr das Verstehen anderer Menschen, die Suche nach echtem Wissen, aufmerksames Zuhören, realistische Erwartungen und der Aufbau sinnvoller Beziehungen. Wirksame Führungspersonen vermeiden bewusst die Fallstricke der isolierten Planetenbewohner und verkörpern stattdessen die Weisheit, die der kleine Prinz auf der Erde entdeckt. Wie diese geliebte Figur bleiben die besten Führungspersonen zugleich pragmatisch und idealistisch: Sie kennen die Herausforderungen des Lebens, verlieren aber nie aus dem Blick, worauf es wirklich ankommt.
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